Wolf-Dieter Storl vom 10. bis 14. Oktober 2011 in Norddeutschland
Dr. W.D. Storl (Fotoquelle: www.storl.de)
Die Natur ist die Grundlage und die nährende Quelle unseres Lebens. Sie spricht mit unserer Seele, ob der Verstand dies nun mitbekommt oder nicht. Sie liefert uns die Kraft und das Gleichgewicht,
das wir zum Leben brauchen.
Pflanzen ernähren uns und geben uns den Sauerstoff zum Atmen. Sie wandern durch Körper, Geist und Seele und schenken uns Inspirationen und Träume.
Pflanzen können uns wieder mit der Natur verbinden, da sie selbst ganz tief verbunden sind. Sie können uns mitnehmen zu unseren Wurzeln und uns heilen. Dafür allerdings müssen wir sie kennenlernen,
müssen uns auf sie einlassen, sie als Wesen und Persönlichkeit begreifen und nicht nur als Behälter chemischer Wirkstoffe.
Wolf-Dieter Storl ist der ganz große Kenner der einheimischen Heilpflanzen. Er weiß um ihre Eigenschaften und Heilkräfte, kennt ihre Bedeutung in der Volksmedizin, ihre Rolle in Mythen, Sagen und
Märchen. Vielleicht ist er ein Schamane, aber das bestreitet er. Auf jeden Fall ist er ein „Wurzelkundiger“ und er hat dem im Materialismus verhafteten Menschen viel zu sagen.
An diesem Abend erzählt Wolf-Dieter Storl von Heilpflanzen und Zauberpflanzen, vom Einklang mit der Natur, vom Ursprung und Weg des Menschen, vom Schamanentum und den Wurzeln unserer
Spiritualität.
Veranstaltungsorte
10.10.2011 Münster
Bürgerhaus Kinderhaus, Idenbrockplatz 8, 48159 Münster
11.10.2011 Eckernförde
Stadthalle Eckernförde, Am Exer 1, 24340
Eckernförde
12.10.2011 Ahrensburg bei Hamburg
Kulturzentrum Marstall am Schloss Ahrensburg, Lübecker Straße 8, 22926 Ahrensburg
13.10.2011 Berlin
Adolf-Kurtz-Haus - Großer Saal, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin
14.10.2011 Bremen
Borgfelder Landhaus - Festsaal, Warfer Landstr. 73, 28357 Bremen
Highlight 2010: Wolf-Dieter Storl an der Nordseeküste

Wolf-Dieter Storl schrieb dazu auf seiner website (www.storl.de):
"Kaum war ich zurück im Allgäu, da musste ich gleich am nächsten Tag zu einem Kräuterseminar im hohen Norden fahren, nach Nordholz bei Cuxhaven am Wattenmeer. Als der Kurs begann, war gerade Ebbe;
das Meer war wie von Zauberhand verschwunden, nichts als grauer Schlick bis zum Horizont! Also Schuhe aus und Wattwanderung! Kommentare einiger „Landratten“, die das noch nicht kannten: „Igitt. In
dem Matsch sollen wir laufen?“ oder ein besorgtes, „Beißen die Krebse?“ Als wir uns auf den Weg machten und das feste Land immer weiter in die Ferne rückte, rückte auch der Alltag, den die Teilnehmer
mitgebracht hatten, in die Ferne. Man hatte immer mehr das Gefühl, sich am Rande Midgards zu befinden. Krebse und Krabben bewegten sich in den Sielen, Wattwürmer hinterließen Spuren, hier und da
durchzogen Muschelbänke das Schlick, und am unendlich weiten Himmel turnten und schrieen die Möwen. Ein Naturwunder, das Wattenmeer!
Die Stimmung wurde zunehmend ekstatisch. Als wir dann, weit draußen, umkehrten, wandten wir uns den Pflanzen zu. Am Anfang waren es nur etwas Tang und einige andere Algenarten, Meersalat (Ulva
lactuca) vor allem. In Standnähe kamen dann die ersten Halophyten, die es ertragen können, vom Salzwasser überspült zu werden, etwa der aufgedunsene Queller, ein Gänsefußgewächs, dessen Blüten unter
dem Wasser durch Schwimmpollen bestäubt werden. Fantastisch, zu was Pflanzen alles fähig sind! Seegras (Zostera marina), ein Laichkrautgewächs, der Stranddreizack (Triglochin maritima), Salzschwaden
(ein Rispengras) traten dann auch auf. Und als es dann zum festeren Stand ging kamen allmählich Pflanzen die einem bekannter waren: Strandaster, Strandkamille, Edelraute, Strandflieder (Limonium),
verschiedene Melden und die Wilde Rübe, Löffelkraut und so weiter, und schließlich auch der geliebte Beifuß. In „de groote Deel“, einem umgebauten Klinkersteinbauernhof, wo wir übernachteten und
aßen, gab es die Speise der friesischen Eingeboren zu essen: Fisch und Fisch; und Matjes, wie man ihn noch nie gegessen hatte. Krabben gab’s dazu, auch sie frisch. Ich erinnerte mich an meine
Schulzeit in Oldenburg, wo ich meine ersten vier Schuljahre verbracht hatte. Da hat die Schulklasse gelegentlich einen Ausflug zum Jadebusen gemacht. Fischer, die nur dat olle Platt snackten, saßen
da mit ihren Netzen am Strand und pulten Krabben. Uns Kindern gaben sie dann immer einige zum kosten. Die waren echt lecker! Heutzutage, im globalisierten Zeitalter, werden die Meerestierchen nach
Marokko geflogen und dort – da der Stundenlohn sehr niedrig ist – aus ihren Schalen gepult, ehe sie zurück in die Supermärkte transportiert werden. Das ganze dauert 28 Tage – und so schmecken sie
dann auch. Ein kulinarischer Höhepunkt war ein Mittagsessen mit „Röhr“. Das ist der friesische Name für den Standdreizack. Dieses Blumenbinsengewächs, das roh etwas nach Chlor riecht, ist eigentlich
geschützt, aber die Eingeborenen haben es seit Urzeiten gegessen und bestanden auf ihr angestammtes Recht ihren „friesischen Kohl“ weiterhin zu ernten und zu essen. Sie schützen ja auch ihre
„heilige“ Pflanze, und pflanzen sie sogar im Schick um sie zu vermehren. Ähnlich wie die Inuit (Eskimo), die ihr Recht auf Seesäugerjagd verteidigten, so haben die Friesen ihr traditionelles Recht
beibehalten können. Zum Schluss gab es ein „Puja“-Ritual unter einem alten Baum zum Dank an Tiere und Pflanzen der Nordseeküste.
Kaum war das Ritual vorbei, da fing es an zu regnen. Ich stieg in meine Zauberkutsche, einen 25 Jahre alten Mercedes, in dem – da bin ich sicher – sich ein paar Gnome eingenistet haben und fuhr los
mit ständigem Auge auf die Neophythen, die im Mittelstreifen der Autobahn wachsen. Kilometer über Kilometer wuchs da das freundlich gelb blühende südafrikanische Greiskraut (Senecio inaequidens);
auch der chinesische Götterbaum war immer wieder zu sehen."